Berichte – Rückblick

"Markuspassion" für Soli, Chor und Orchester von Gottfried August Homilius

Sonntag 14. April 2019, 17 Uhr in der Versöhnungskirche

Gottfried August Homilius wurde am 2. Februar 1714 in Rosenthal (Sachsen) geboren. Homilius studierte Jura an der Universität Leipzig und war nachweislich auch Schüler von Johann Sebastian Bach. Nach einer erfolglosen Bewerbung auf eine Organistenstelle in Bautzen war Homilius 1742 als Organist an der Dresdner Frauenkirche tätig. 1755 wurde er Kantor an der Kreuzkirche und war als Musikdirektor für die drei Dresdner Hauptkirchen zuständig. Seine Hauptwirkungsstätte blieb aber die Frauenkirche, da die Kreuzkirche im Siebenjährigen Krieg vollständig zerstört wurde und erst nach dem Tod von Homilius wieder eingeweiht wurde. Von íhm sind unter anderem 60 Motetten, 180 Kantaten, 11 Oratorien sowie neun Passionsmusiken überliefert.

Die Markuspassion entstand wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt seiner Dresdner Wirkungszeit. Eine Aufführung in Berlin vor 1765, ist nachgewiesen. Die Passion wurde der  preußischen Prinzessin Anna Amalia, der Schwester Friedrichs des Großen, gewidmet. Das Libretto enthält biblische Texte aus dem Markus-Evangelium Kapitel 14 und 15, Choräle aus verschiedenen, überwiegend nicht mehr in Evangelischen Gesangbuch (EG) enthaltenen Liedern, sowie neu gedichtete, madrigalische  Texte. Homilius vertonte den Evangelien-Text etwas zurückhaltender als Bach, dafür sind die Choreinwürfe mit viel Spürsinn für Dramatik komponiert und dadurch sehr ausdrucksvoll.

Mit einfühlsamen Arien, ungewohnten Orchesterklängen und expressiven Chören hat Homilius die traditionelle Passion in seine Zeit übersetzt. Wie kein anderes Werk wurde Homilius’ Markuspassion von Carl Philipp Emanuel Bach als Steinbruch für seine 14 von 21 Passionspasticci verwendet.

Mitwirkende:

Gretel Wittenburg, Sopran // Cornelia Kieschnik, Alt
Timothy Oliver, Tenor // Clemens Heidrich, Bass // Kurt Lachmann, Bass
Sinfonietta Dresden
Kantorei der Versöhnungskirche

Leitung:  Kantorin Margret Leidenberger

 

Passionskonzert
Sonntag, 14. April 2019 // 17 Uhr, Versöhnungskirche

Gottfried August Homilius: "Markuspassion" HoWV I.10
Die Geschichte des Leidens und Sterbens unseres Heilandes Jesu Christi nach der Beschreibung des Evangelisten Markus

Mitwirkende:
Gretel Wittenburg, Sopran | Cornelia Kieschnik, Alt
Timothy Oliver, Tenor | Clemens Heidrich, Bass
Kurt Lachmann, Bass
Sinfonietta Dresden
Kantorei der Versöhnungskirche
Leitung: Kantorin Margret Leidenberger

Johann Sebastian Bach hätte sich gefreut: Weihnachtsoratorium in fünf Gottesdiensten

So wie es Johann Sebastian Bach 1734 konzipiert hatte, wurde in diesem Jahr sein Weihnachtsoratorium in die Weihnachtsgottesdienste unserer Kirchgemeinde harmonisch integriert. Zwischen dem 1. Weihnachtstag (25. Dezember 2018) und dem Epiphanias-Sonntag (6. Januar 2019) fanden fünf Gottesdienste in unseren drei Kirchen statt. Diese enorme Herausforderung führte etwa 100 Mitwirkende zusammen: Chorsänger, Solisten, Musiker und Pfarrer. Allen Mitwirkenden verlangte dieses Projekt sehr viel Kraft und Willen zur Koordination ab. Allein das große Chorpodest musste zehn mal auf- bzw. abgebaut werden. Als Ergebnis detaillierter Planung entstand ein gedrucktes Programmheft für den Ablauf aller Gottesdienste sowie die zugeordneten Kantaten des WO. Wir wurden beschenkt durch beglückende Momente der geistlichen Verkündigung in Wort und Musik, mit sehr positiver Resonanz bei den Menschen! So konnten wir deutlich mehr Besucher zu diesen fünf festlichen Gottesdiensten begrüßen, als sonst zu den Feiertagen in unsere Kirchen gekommen wären. Es zeigt und motiviert uns, dass Menschen in unserer Zeit wirklich Beides suchen, Wort und Musik. So tragen die festliche Musik, der Text des Weihnachtsoratoriums sowie die Predigt aktiv bei, die gute Botschaft und das Kommen von Jesus Christus zu verkündigen.

Unser großer Dank gilt allen Mitwirkenden sowie dem Förderverein für Kirchenmusik unserer Gemeinde, die unter der freundlichen und integrierenden Gesamtleitung von Kantorin Margret Leidenberger großartig musizierten: Chor und Jugendchor der Gemeinde sowie der Seniorenchor des Kirchenbezirkes Dresden-Mitte sangen harmonisch miteinander. So ist es gelungen, in unserer großen Gemeinde mit vielen engagierten Menschen, Gemeinde zu bauen. Ein weises Wort von Bettina von Arnim bewahrheitet sich: „Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist die Musik“.

Dr. Johannes Strümpfel

„Es sind viele Veranstaltungen und Konzerte die an die verheerenden Kriegsgeschehen vergangener Zeiten in unserem Land und auf der ganzen Welt erinnern, und das ist gut so. Das können wir wenigstens noch tun, heute, jetzt, das ERRINERN wach halten. Das ERINNERN wach halten, wollten wir mit der Idee „Kirchenmusiktage“ zum Thema “Vom Sterben und Hoffen“ in unserer Kirchgemeinde zu veranstalten.
Da sitzen wir nun in diesen alten Kirchenbänken in Erwartung schöner Musik und nicht wenige von uns tragen die große HOFFNUNG in sich, dass wir weiter in FRIEDEN leben können oder wenigstens in Abwesenheit von heißem Krieg. Diese Friedenshoffnung sollte uns immer wieder antreiben, dass uns Mögliche zu tun, um denen zu helfen, die noch viel größere Sehnsüchte nach FRIEDEN haben, weil in ihren Ländern der FRIEDEN abhanden gekommen ist. Es gibt viele schlimme Kriege, Zerstörung, Hunger und Hoffnungslosigkeit auf dieser Erde.
Als Christen wissen wir aber auch: wir können und sollen uns mühen um FRIEDEN. Machen können wir ihn nicht, er ist ein Geschenk. Auch die Bibel spricht ernst über die Dinge, die über die Erde hereinbrechen werden. Aber sie lässt die Menschen nicht zurück, ohne ihnen die Tür zu öffnen, dort hinein wo „ alle Tränen abgewischt sein werden, wo es kein Leid und Geschrei mehr gibt.“ (Kantorin Margret Leidenberger)

„Bei jedem Krieg ist der größte Verlierer der Mensch, Opfer der Machtspiele von jenen, die vorgeben die Fäden unserer Welt zu ziehen. Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg nach vierhundert Jahren bleibt besonders präsent, vor allem für die Brutalität und deren Konsequenzen, die das einfache Volk erlitten hat.
Die Musik, seit immer Spiegel der menschlichen Seele, war eine der wenigen harmlosen Waffen, die der Mensch zur Verfügung hatte, um seine Klage zu veräußern, um sich und seine Kinder zu trösten, um einige Momente Sorglosigkeit, Freude und Liebe trotz der Gegebenheiten sich zu schenken: Volkslieder, kunstvoll komponierte Musik, Sammlungen von Liedern, Instrumentalmusik, so wie Gedichte wurden vom Dreißigjährigen Krieg inspiriert.
Komponisten aus Deutschland, wo der Krieg zwischen 1618 und 1648 ohne Gnade tobte, aber auch aus den Niederlanden und Spanien, die schon länger im Krieg zueinander standen oder auch aus Frankreich oder Italien, haben uns Musik hinterlassen, die die Gemütsverfassungen aller Menschen, die in einem Krieg leiden spiegelt. Anfang des 20. Jh. schrieb die deutsche Schriftstellerin und Historikerin Ricarda Huch (1864 -1947) das Gedicht „Wiegenlied aus dem Dreißigjährigen Krieg“; In seiner „Ninna nanna de la guerra“ (Wiegenlied vom Krieg), geschrieben 1914 zu Beginn des ersten Weltkriegs, verfasst der römische Dichter Trilussa (Carlo Alberto Salustri 1871 - 1950) mit wenigen Worten in einem Spagat von Trost und Ironie das Schicksal dieser Menschen, seit immer Opfer des Krieges.“ (Ercole Nisini)

„Was bewegte und bewegt Komponisten und Dichter zu allen Zeiten über den FRIEDEN nachzudenken? Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz, Johannes Brahms, Rudolf Mauerberger und Arvo Pärt? Es ist die tiefe Sehnsucht in uns Menschen nach FRIEDEN.
FRIEDEN meint mehr als die Abwesenheit von Krieg. FRIEDEN umfasst mehr als das Schweigen der Kanonen. FRIEDEN meint Wohlergehen, Glück, Ruhe, Sicherheit für alle Menschen, friedliche Versöhnung, friedliche Vergebungnach einem Streit mit Familienmitglieder, Freunden, Nachbarn und Kollegen. FRIEDEN meint darüber hinaus FRIEDEN mit Gott. Sich mit Gott versöhnen, sich nicht verzehren in Vorwürfen gegenüber Gott oder den Menschen. 
FRIEDEN ist ein mühsamer Weg, er führt durch Wüsten, durch undurchdringliches Dickicht von Vorurteilen, durch gegenseitiges Nichtverstehen, Nichtverstehenwollen, ja auch durch Hass, Streit, Verzweiflung. FRIEDEN kennt Rückschläge. FRIEDEN hat keine Ziellinie und keinen Endzustand. Den Friedensweg gehen, heißt, zu glauben, dass Gott in unserem Herzen FRIEDEN schafft und wir dadurch dem FRIEDEN Raum geben können in dieser Welt.
Auch dieser Tag ist belastet mit Unfrieden: auch heute sind wieder über Tausenden von Menschen an den Folgen des Krieges im Jemen gestorben; in Syrien, Afghanistan und Irak nimmt der Krieg kein Ende, eine ganze Generation an Kindern weiß nicht, was es heißt, in FRIEDEN zu leben. Auch heute bestimmten Hass und Selbstsucht das Denken vieler Menschen.  Wir tragen selbst dazu bei, dass Angst, Vergeltung und Gewalt von neuem mächtig werden. Wir bitten: lass uns mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben, brennender lieben.
HERR schenke uns einen neuen Anfang und gib der Welt deinen FRIEDEN. Ohne Dich können wir nichts tun. HERR, erhöre uns! Verleih uns FRIEDEN! DU BIST UNSER FRIEDEN. (Pfarrerin Anke Arnold)

Am 9. April 2016 wurde von der Kantorei der Versöhnungskirche und den New Cambridge Singers (UK) unter der Leitung von Kantorin Margret Leidenberger und Graham Walker Georg Friedrich Händels „Messiah“ in der englischen Originalausgabe aufgeführt.

Schon im Februar 2015 begannen die Vorbereitungen für dieses Konzert. Damals brachte Frau Dr. Michaela Wilsch-Bräuninger, eine unserer Mitsängerinnen den bestehenden Kontakt mit den New Cambridge Singers ins Gespräch und wir steckten die Möglichkeit eines gemeinsamen Konzertes hier in Dresden ab. Sehr schnell war dann auch G.F. Händel in unseren Gedanken und natürlich „Der Messias“, eines der beliebtesten Chorwerke – zumindest im englischsprachigen Raum. Dieses Werk führte unsere Kantorei zuletzt Silvester 2008 auf, jedoch wie üblich in der deutschen Übersetzung. Nun musste die Einstudierung aber in der englischen Originalversion erfolgen – für die Kantorei der Versöhnungskirche ein Novum.

Viel war zu organisieren, denn 30 Sängerinnen und Sänger aus Cambridge sollten vorwiegend in Gastfamilien untergebracht werden, dazu Überlegungen zu gemeinsamen Aktivitäten der beiden Chöre usw. Außerdem war ein große Schar Helfer um Michaela nötig, die sich um Gastfamilien kümmerten, den Ablauf des Aufenthaltes planten, sich Gedanken um mögliche gemeinsame Stunden machten, diese auch vorbereiteten.

Dazu der allgegenwärtige Organisationsablauf vor jedem Konzert, der nur durch das Ehrenamt vieler, vieler unserer Mitsängerinnen und Mitsänger und natürlich durch unsere allgegenwärtige Kantorin bewältigt werden kann.

Die Proben begannen Ende November 2015 und beinhalteten nicht nur die wöchentlichen Termine am Donnerstagabend, sondern auch einige Sonderproben an Wochenenden, so beispielsweise am 26./27.2.16.

Der bekannte Chor „ For unto us a child is born“ („Denn es ist uns ei Kind geboren“) wurde bereits zu den Festgottesdiensten zum Christfest aufgeführt und erhöhte die Vorfreude auf die Aufführung des gesamten Werkes – bei der Gemeinde und den Sängern.

Thomas Anders, Tenor und Chorratsmitglied der Kantorei

Sie waren nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören, die vielen tausend Bläser, die in Dresden am ersten Juniwochenende zu Gast waren. Und so breiteten sich die Schallwellen in der ganzen Stadt aus, sei es bei der Stafettenkomposition oder bei der Serenade am Elbufer mit abschließendem Feuerwerk. Viele Dresdner, die vielleicht noch nie einen Posaunenchor live erlebt haben, waren überrascht am Sonntagmorgen an vielen ungewöhnlichen Plätzen Bläserklänge zu hören. Nicht wenige blieben stehen und lauschten den Morgenliedern, zum Beispiel am Hauptbahnhof.

Auch der Posaunenchor der Versöhnungskirche hat sich mit viel Elan auf dieses große Fest vorbereitet. Es war schön, dass wir zu dem Eröffnungskonzert in einer voll besetzten Kirche spielen konnten. Dank sei auch gesagt den vielen Helferinnen und Helfern aus unserer Gemeinde, die bei der Verköstigung der Gäste, in den Schulen oder im Stadion beim Abschlussgottesdienst mitgeholfen haben.

Und was bleibt? Auf jedenfalls ein ergreifendes Klangerlebnis beim Abschlussgottesdienst im Stadion, das man vielleicht nur einmal so erleben kann, sowie viele Begegnungen mit Gleichgesinnten, denen die Bläserarbeit am Herzen liegt und die mit viel Zeit und Engagement mit ihren Instrumenten die gute Botschaft des Evangeliums weitersagen wollen.