AG Stolpersteine

„Stolpersteine“ ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das seit 1992 in weit über 1000 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas läuft.
Es sind Tausende kleiner Gedenksteine für Verfolgte des NS-Regimes. Eingelassen in den Gehweg zeigen die quadratischen Messingplatten einen Namen mit Lebensdaten, dazu in knappen Worten, was dieser Mensch erlitten hat: Gedemütigt, Entrechtet, Vertrieben, Deportiert, Ermordet, Flucht in den Tod, …

Im Juni 2019 gab es in Dresden-Blasewitz nur 3 Stolpersteine. So unterstützte der Kirchenvorstand den Vorschlag von Frau Lange, in den Kirchenbüchern nach Christen jüdischer Herkunft zu suchen. Zugleich erweiterte man jedoch den Auftrag: nicht nur Christen, sondern alle NS-Verfolgten in den Fokus zu nehmen, für die Stolpersteine auf dem Gemeindegebiet gelegt werden könnten.
Bis Ende 2019 hatte eine kleine Gruppe von Damen, welche die alte Schrift noch gut entziffern können, die Kirchenbücher von 1887 (Beginn der Blasewitzer/Striesener Bücher) bis 1945 vorsichtig durchgesehen. Es fanden sich etliche Täuflinge, Konfirmierte und Brautpaare, bei denen für ein Elternteil die Religion „mosaisch“ bzw. „israelitisch“ angegeben war.

Parallel beschäftigten wir uns mit der jüdischen Familie Jacoby. Sie waren Hofjuweliere und in ihrer Werkstatt mit dem Gründernamen „Elimeyer“ wurde die Taufschale der Heilig-Geist-Kirche gefertigt. Ihre Villa im Lothringer Weg 2 gehörte ab 1940 zu den „Judenhäusern“. Hier zogen die Nazis Familien zusammen, die nach ihren sog. Rassegesetzen „Juden“ waren – die Religion der Menschen war dabei gleichgültig.

Will man für einen Menschen einen Stolperstein verlegen lassen, nimmt man Kontakt auf mit dem Verein „Stolpersteine für Dresden e. V.“
(http://stolpersteine-dresden.de/verein/) Dieser organisiert die Herstellung und Verlegung in Dresden. Für jeden Stolperstein muss Folgendes erarbeitet werden:

  • die Opfer-Biografie
  • der Verlegungsort (Gehweg vor der letzten frei gewählten Wohnung)
  • die Inschrift für den Stein
  • die Einwilligung von Angehörigen des Opfers für diese öffentliche Verlegung
  • die Deckung der Kosten für Herstellung und Verlegung

2021 wollen wir als Gemeinde nun erstmals zwei Stolpersteine verlegen lassen:
für Jenny Jacoby (* 1856) und den Sohn Johann Jacoby (*1879).
Beide wurden 1942 vom Lothringer Weg 2 aus in den Tod deportiert.
Ihre Geschichte ist in der Präsentation zum Vortrag "Zwischen Emanzipation und Stolpersteinen" auf dieser Seite beschrieben.

 

Die Verlegung der Stolpersteine fand am Donnerstag, 22. Juli 2021, in der Goetheallee 14b statt.

 


Nächste Ziele der Arbeitsgruppe:

  • Lebenswege der gefundenen Gemeindeglieder und ihrer Angehörigen nachvollziehen
  • Stolpersteine für weitere Eigentümer von Judenhäusern im Gemeindegebiet vorbereiten
  • Recherche nach NS-Opfern aus unserem Gemeindegebiet, welche
    • aufgrund einer Behinderung verfolgt wurden,
    • in Tolkewitz wohnten (Recherche in Grunaer / Leubener Kirchenbüchern),
    • in Blasewitzer Schulen als jüdische Schüler oder Lehrer gebrandmarkt wurden.